Chronische Handschmerzen: Was bleibt von der Therapie, wenn der Termin vorbei ist?

Chronische Handschmerzen

Bei chronischen Handschmerzen findet ein großer Teil der Behandlung nicht in der Praxis statt. Er findet zu Hause, am Arbeitsplatz und mitten im Alltag statt, häufig über Monate oder Jahre.

Damit bekommt die Handtherapie eine etwas andere Aufgabe. Sie kann Beschwerden behandeln und Funktionen trainieren. Langfristig muss sie Patientinnen und Patienten aber auch dabei unterstützen, mit ihren Beschwerden selbstständig umzugehen.

Welche Strategien Handtherapeutinnen und Handtherapeuten dafür tatsächlich einsetzen, haben Ricardo Altahif und Christine Davis in einer aktuellen Studie untersucht. Ihre 2026 im Journal of Hand Therapy veröffentlichte Arbeit zeigt nicht nur, welche Maßnahmen in der Praxis besonders häufig empfohlen werden. Sie macht auch sichtbar, woran Selbstmanagement im Alltag scheitern kann.

Chronischer Handschmerz ist keine einzelne Diagnose

Hinter chronischen Beschwerden der Hand können sehr unterschiedliche Erkrankungen stehen. Arthrotische Veränderungen gehören ebenso dazu wie Nervenkompressionssyndrome und andere muskuloskelettale Erkrankungen. Gemeinsam ist ihnen, dass Schmerzen und funktionelle Einschränkungen über längere Zeit bestehen und berufliche, häusliche oder Freizeitaktivitäten beeinflussen können.

Entsprechend lässt sich Selbstmanagement nicht auf ein bestimmtes Übungsprogramm reduzieren.

Es kann beispielsweise bedeuten, Belastungen anzupassen, Übungen durchzuführen, eine Orthese einzusetzen, Wärme zu nutzen oder Gelenkschutzstrategien in alltägliche Tätigkeiten zu integrieren.

Altahif und Davis wollten wissen, welche dieser Möglichkeiten in der Handtherapie tatsächlich verwendet werden. Dazu befragten sie Mitglieder der American Society of Hand Therapists zu ihren Behandlungsgewohnheiten, den von ihnen empfohlenen Selbstmanagementstrategien und ihrer Einschätzung, wie gut Patientinnen und Patienten diese im Alltag umsetzen.

120 Handtherapeutinnen und Handtherapeuten geben Einblick in ihre Praxis

Insgesamt nahmen 120 Therapeutinnen und Therapeuten an der Querschnittsbefragung teil. 92 Prozent gaben an, Patientinnen und Patienten mit chronischen Handschmerzen zu behandeln.

Die Forschenden interessierte dabei auch, was die Betroffenen bereits taten, bevor sie überhaupt in die Handtherapie kamen.

Nach Einschätzung der Befragten standen zunächst vor allem frei verkäufliche und verschreibungspflichtige Medikamente sowie Wärmeanwendungen im Vordergrund. Mit Beginn der Handtherapie veränderte sich das Bild deutlich.

Am häufigsten empfahlen die Therapeutinnen und Therapeuten nun Übungen und Dehnungen (97 %), Gelenkschutzstrategien (96 %) sowie Anpassungen von Aktivität und Ergonomie (94 %).

Damit zeigt sich bereits etwas Interessantes: Selbstmanagement bedeutet in der Handtherapie offenbar nicht nur, den Patientinnen und Patienten einige Übungen für zu Hause mitzugeben. Es reicht von körperlichem Training bis zur Veränderung alltäglicher Belastungen.

Was wird nach Therapiebeginn tatsächlich genutzt?

Die Therapeutinnen und Therapeuten wurden außerdem gefragt, welche Maßnahmen ihre Patientinnen und Patienten nach der Erstuntersuchung verwendeten.

Nach ihrer Einschätzung gehörten Wärmeanwendungen mit 93 Prozent zu den am häufigsten genutzten Strategien. Es folgten Übungen und Dehnungen mit 87 Prozent, Orthesen beziehungsweise Schienen mit 81 Prozent, Kompressionsversorgung mit 74 Prozent und Gelenkschutzstrategien mit 69 Prozent.

Diese Zahlen sollte man allerdings genau lesen.

Sie stammen nicht aus einer direkten Befragung der Patientinnen und Patienten. Erfasst wurde die Wahrnehmung der behandelnden Therapeutinnen und Therapeuten. Die Studie kann deshalb nicht zeigen, wie häufig eine bestimmte Maßnahme tatsächlich zu Hause durchgeführt wurde oder wie konsequent sie über längere Zeit beibehalten wurde.

Gerade diese Einschränkung macht einen der spannendsten Punkte der Arbeit aus.

Was wirkt aus Sicht der Handtherapie besonders gut?

Auch hierzu wurden die Behandelnden befragt.

Als besonders hilfreich schätzten sie Wärmeanwendungen sowie Übungen und Dehnungen ein. Ebenfalls häufig als nützlich genannt wurden Aktivitäts- beziehungsweise ergonomische Anpassungen, Orthesen und Gelenkschutzstrategien. Kälteanwendungen und TENS wurden dagegen vergleichsweise selten als besonders hilfreich bewertet.

Das ist jedoch keine Wirksamkeitsrangliste.

Die Studie verglich weder Wärme mit Kälte noch Orthesen mit Übungen in einem kontrollierten Versuch. Sie untersuchte auch nicht, ob eine Strategie Schmerzen stärker reduziert als eine andere.

Sie zeigt vielmehr, was erfahrene Handtherapeutinnen und Handtherapeuten einsetzen und subjektiv als hilfreich wahrnehmen.

Das ist ein wichtiger Unterschied. Eine häufig angewandte oder von Therapeutinnen und Therapeuten positiv eingeschätzte Maßnahme ist nicht automatisch durch diese Studie als wirksam bewiesen.

Das eigentliche Problem beginnt häufig erst im Alltag

Besonders praxisnah wird die Untersuchung dort, wo es um die Umsetzung der Empfehlungen geht.

Als Hindernisse für Selbstmanagement nannten die Befragten unter anderem Zeitmangel, Kosten und fehlendes Wissen. Eine höhere Gesundheitskompetenz und ein besserer Zugang zu Gesundheitsdienstleistern wurden dagegen als Faktoren wahrgenommen, die Selbstmanagement erleichtern können.

Das klingt zunächst selbstverständlich. Für die therapeutische Planung hat es jedoch Konsequenzen.

Ein Übungsprogramm kann fachlich ausgezeichnet sein und trotzdem scheitern, wenn es nicht in den Tagesablauf passt. Eine Orthese kann theoretisch sinnvoll sein, aber im Beruf stören. Eine ergonomische Anpassung kann bekannt sein, am Arbeitsplatz aber nicht umgesetzt werden. Und fünf unterschiedliche Empfehlungen können am Ende weniger bewirken als zwei Maßnahmen, die tatsächlich dauerhaft angewendet werden.

Damit wird die Frage nach der Machbarkeit zu einem Bestandteil der Therapie.

Mehr Empfehlungen sind nicht automatisch besser

Bei chronischen Beschwerden besteht leicht die Versuchung, ein umfangreiches Selbstmanagementprogramm zusammenzustellen: Übungen, Dehnung, Wärme, Gelenkschutz, Orthese, Arbeitsplatzanpassung und vielleicht noch weitere Maßnahmen.

Die aktuelle Studie beweist nicht, dass weniger Maßnahmen zu einer besseren Adhärenz führen. Ihre Ergebnisse machen aber deutlich, dass die Umsetzung durch ganz praktische Faktoren begrenzt wird.

Für die Handtherapie kann deshalb eine andere Frage interessant sein:

Nicht nur: Welche Maßnahmen könnte dieser Patient durchführen?

Sondern auch: Welche davon wird er voraussichtlich dauerhaft in seinen Alltag integrieren können?

Das kann bedeuten, gemeinsam Prioritäten zu setzen. Eine Person benötigt vielleicht vor allem eine praktikable Strategie für lange Computerarbeit. Eine andere möchte trotz Daumenschmerzen weiter im Garten arbeiten. Bei einer dritten stehen nächtliche Beschwerden oder belastende Tätigkeiten im Beruf im Vordergrund.

Das therapeutische Ziel ist dann nicht zwangsläufig ein möglichst umfangreiches Programm, sondern ein passendes und dauerhaft nutzbares Repertoire.

Selbstmanagement ist nicht dasselbe wie „Mach deine Übungen zu Hause“

Darin liegt vielleicht die wichtigste Botschaft der Arbeit.

Selbstmanagement beginnt nicht erst mit einem Heimübungsblatt. Übungen sind lediglich eine von mehreren Möglichkeiten. Gelenkschutz, Ergonomie, Belastungssteuerung, Orthesen und symptomorientierte Maßnahmen können ebenso dazugehören.

Und Selbstmanagement bedeutet auch nicht, Patientinnen und Patienten mit ihren Beschwerden allein zu lassen.

Im Gegenteil: Die therapeutische Aufgabe verschiebt sich teilweise vom unmittelbaren Behandeln hin zum gemeinsamen Entwickeln von Strategien, die außerhalb der Praxis funktionieren.

Dazu gehört auch zu überprüfen, was nach einigen Wochen tatsächlich geblieben ist. Wird die Orthese getragen? Ist die Übung praktikabel? Funktioniert die Arbeitsplatzanpassung? Gibt es einen Grund, weshalb eine ursprünglich sinnvolle Empfehlung wieder aufgegeben wurde?

Gerade bei chronischen Beschwerden kann diese Rückmeldung wichtiger sein als das bloße Hinzufügen einer weiteren Maßnahme.

Eine wichtige Grenze der Studie

Bei aller Praxisnähe sollte die Arbeit von Altahif und Davis nicht überinterpretiert werden.

Es handelt sich um eine Querschnittsbefragung von Handtherapeutinnen und Handtherapeuten, nicht um eine klinische Wirksamkeitsstudie. Die Autoren selbst weisen darauf hin, dass zukünftige Forschung insbesondere die Perspektive der Patientinnen und Patienten und die Auswirkungen verschiedener Selbstmanagementstrategien auf funktionelle Ergebnisse untersuchen sollte.

Wir wissen aus dieser Untersuchung also recht gut, was Therapeutinnen und Therapeuten empfehlen und wie sie die Umsetzung einschätzen.

Wir wissen daraus wesentlich weniger darüber, was Patientinnen und Patienten selbst als hilfreich erleben, welche Strategien sie nach sechs oder zwölf Monaten noch nutzen und welche Maßnahmen tatsächlich die besten klinischen Ergebnisse erzielen.

Gerade diese Lücke wäre für zukünftige Studien besonders interessant.

Was lässt sich für die Handtherapie mitnehmen?

Chronischer Handschmerz lässt sich selten ausschließlich während eines Behandlungstermins beeinflussen. Zwischen zwei Terminen liegen viele Stunden, in denen die Hand arbeitet, belastet wird, sich erholt und erneut mit Situationen konfrontiert wird, die Beschwerden auslösen können.

Die Studie von Altahif und Davis zeigt, wie breit das Spektrum an Selbstmanagementstrategien in der Handtherapie bereits ist. Übungen spielen dabei eine große Rolle, aber ebenso Gelenkschutz, ergonomische Veränderungen, Orthesen und Wärmeanwendungen. Gleichzeitig erinnern die Ergebnisse daran, dass eine Empfehlung erst dann Teil des Selbstmanagements wird, wenn sie im Alltag tatsächlich umgesetzt werden kann.

Literaturverzeichnis

Altahif R, Davis C. Self-management in chronic hand pain: Clinician perspectives from members of the American Society of Hand Therapists. Journal of Hand Therapy. Published online June 8, 2026. doi:10.1016/j.jht.2026.05.007. Open Access unter CC BY.

Dieser Artikel dient der fachlichen Weiterbildung von Handtherapeutinnen und Handtherapeuten sowie Fachpersonen im Bereich der Handrehabilitation. Er ersetzt keine individuelle klinische Einschätzung oder ärztliche Empfehlung. Quellenstand: September 2026.

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