Bei einer De-Quervain-Tendinopathie können erstaunlich alltägliche Bewegungen ziemlich unangenehm werden. Typisch sind Schmerzen an der radialen Seite des Handgelenks, dort, wo die Sehnen des M. abductor pollicis longus und des M. extensor pollicis brevis durch das erste dorsale Strecksehnenfach verlaufen.
Konservativ lässt sich einiges versuchen. Belastungen können angepasst, eine Daumenorthese eingesetzt und die Hand therapeutisch begleitet werden. Hinzu kommen physikalische Verfahren wie die Lasertherapie. Gerade bei solchen Zusatzbehandlungen stellt sich allerdings eine Frage, die im therapeutischen Alltag nicht immer leicht zu beantworten ist: Verbessert die zusätzliche Maßnahme das Ergebnis tatsächlich oder verbessert sich die Hand ohnehin unter der Basisbehandlung?
Eine 2026 veröffentlichte randomisierte, doppelblinde und sham-kontrollierte Studie von Sumanapun und Kollegen hat genau das für eine Hochleistungslasertherapie untersucht. Ihr Ergebnis fällt deutlich nüchterner aus, als man angesichts des technischen Aufwands vielleicht erwarten würde.
Wenn der Schmerz auf der Daumenseite sitzt
Die De-Quervain-Tendinopathie betrifft das erste dorsale Strecksehnenfach mit den Sehnen des M. abductor pollicis longus und M. extensor pollicis brevis. Schmerzen treten typischerweise in der Nähe des Processus styloideus radii auf und verstärken sich bei Bewegungen von Daumen und Handgelenk. Druckempfindlichkeit und funktionelle Einschränkungen können hinzukommen. Gerade die Lokalisation macht eine sorgfältige Differenzierung wichtig. Schmerzen rund um die Daumenbasis sind schließlich nicht automatisch De Quervain. Auch Erkrankungen des Daumensattelgelenks können dort Beschwerden verursachen. Auch repetitive Belastungen spielen bei Beschwerden von Hand und Handgelenk immer wieder eine Rolle. Wie sich dauerhafte Bildschirmarbeit, Maus, Tastatur und intensive Smartphone-Nutzung bemerkbar machen können, haben wir bereits im Beitrag „Handschmerzen durch Homeoffice: Warum unsere Hände unter digitaler Dauerarbeit leiden“ aufgegriffen. Dort wird De Quervain ebenfalls als mögliches Beschwerdebild thematisiert. Diesmal geht es aber um die Behandlung.Orthese für alle – Laser nur für die Hälfte
Die aktuelle Studie ist gerade deshalb interessant, weil die Forschenden nicht einfach eine Lasergruppe mit einer unbehandelten Kontrollgruppe verglichen.
Insgesamt nahmen 26 Personen mit De-Quervain-Tendinopathie teil. Sie wurden zufällig zwei Gruppen zugeteilt. Die eine erhielt einen 1064-nm-Hochleistungslaser, die andere durchlief eine Scheinbehandlung mit demselben Gerät, jedoch ohne Laseremission. Weder die Teilnehmenden noch die Person, die anschließend die Ergebnisse erhob, wussten, welcher Gruppe die Patientinnen und Patienten angehörten.
Der Aufwand für die Verblindung ging erstaunlich weit. Die Teilnehmenden trugen während der Anwendung Kopfhörer mit Musik, Gerätesignale wurden deaktiviert und das Display war für sie nicht sichtbar. Dadurch sollte möglichst verhindert werden, dass jemand erkennen konnte, ob der Laser tatsächlich arbeitete.
Die aktive Laserbehandlung erfolgte dreimal wöchentlich über drei Wochen, insgesamt also neunmal. Verwendet wurde eine Wellenlänge von 1064 nm bei 8 Watt. Pro Sitzung wurden insgesamt 1.580 Joule appliziert.
Doch damit ist das Studiendesign noch nicht vollständig beschrieben – und genau hier liegt der entscheidende Punkt.
Beide Gruppen bekamen eine richtige Behandlung
Alle Teilnehmenden erhielten eine vorgefertigte Daumen-Spica-Orthese. Das Handgelenk sollte neutral positioniert werden, das Daumensattelgelenk befand sich laut Studienprotokoll in etwa 30 Grad Flexion und 30 Grad Abduktion. Die Orthese sollte über sechs Wochen mindestens sechs Stunden täglich getragen werden. Die tatsächliche Tragezeit wurde dokumentiert.
Zusätzlich erhielten beide Gruppen ein ergotherapeutisch begleitetes Übungsprogramm. Über sechs Wochen fanden wöchentliche Termine statt. Ergänzend gab es individuell angepasste Heimübungen. Trainiert wurden Beweglichkeit von Daumen, Fingern und Handgelenk sowie im Verlauf die Kraft von Daumen, Griff und Handgelenk, unter anderem mit elastischen Widerständen, Gewichten und Bällen. Außerdem erhielten die Teilnehmenden Hinweise dazu, repetitive Belastungen von Daumen und Handgelenk zu vermeiden.
Das verändert die Interpretation der Studie erheblich.
Die Frage nach Laser oder Behandlung stellt sich nämlich nicht, sondern ob der Laser einen zusätzlichen Nutzen bringt, wenn bereits Orthese, Beratung und ein strukturiertes Übungsprogramm eingesetzt werden?
Das ist für die therapeutische Praxis wesentlich interessanter.
Nach drei Wochen waren die Schmerzen geringer
Die Forschenden untersuchten die Teilnehmenden vor Behandlungsbeginn, nach drei Wochen und nochmals drei Wochen später – also sechs Wochen nach Studienbeginn. Erfasst wurden die Schmerzintensität über eine visuelle Analogskala, die laterale Pinchkraft sowie die Handfunktion mit der thailändischen Version des Patient-Rated Wrist/Hand Evaluation (PRWHE).
Beim Schmerz zeigte sich zunächst etwas Erfreuliches: Beide Gruppen verbesserten sich signifikant.
Das galt sowohl nach drei als auch nach sechs Wochen.
Entscheidend ist jedoch der Vergleich zwischen den Gruppen. Hier fand sich kein signifikanter Vorteil der echten Laserbehandlung gegenüber dem Scheinlaser.
Die Verbesserung allein beweist deshalb nicht, dass der Laser wirkte. Schließlich verbesserten sich auch diejenigen, bei denen das Gerät keine Laserenergie abgab.
Auch bei Kraft und Handfunktion kein überzeugender Zusatznutzen
Bei der lateralen Pinchkraft zeigte sich ebenfalls kein Vorteil der aktiven Lasertherapie. Die Werte nahmen in beiden Gruppen geringfügig zu, die Veränderungen waren jedoch nicht statistisch signifikant.
Noch interessanter sind die funktionellen Ergebnisse.
Beim PRWHE verbesserten sich die Werte in der Sham-Gruppe signifikant, während in der aktiven Lasergruppe kein signifikanter funktioneller Zugewinn nachgewiesen wurde. Auch daraus lässt sich allerdings nicht ableiten, dass der Scheinlaser therapeutisch „besser“ gewesen wäre. Entscheidend für die Forschungsfrage ist vielmehr, dass sich kein zusätzlicher funktioneller Vorteil der Hochleistungslasertherapie nachweisen ließ.
Die Autoren kommen entsprechend zu dem Schluss, dass das untersuchte 1064-nm-Laserprotokoll in Kombination mit einer Daumenorthese der Versorgung ohne aktive Laserstrahlung bei Schmerz und Handfunktion nicht überlegen war.
Dabei war die Laserenergie bereits erhöht worden
Dieser Befund ist besonders interessant, wenn man die Vorgeschichte der Studie betrachtet.
Die Arbeitsgruppe bezog sich auf eine frühere Pilotstudie mit 19 Personen. Auch dort waren Hochleistungslaser und Scheinlaser zusätzlich zu einer konservativen Behandlung verglichen worden. Die Ergebnisse hatten zwar Verbesserungen innerhalb der Gruppen gezeigt, aber keine überzeugenden Unterschiede bei der Griffkraft.
Für die neue Untersuchung wurde deshalb die Laserenergie deutlich angehoben: von zuvor insgesamt 880 Joule auf 1.580 Joule pro Sitzung. Die Forschenden wollten damit prüfen, ob eine höhere Energiedosis einen stärkeren Effekt auf Schmerz und Handfunktion erzielen könnte.
Auch mit dieser erhöhten Dosis ließ sich jedoch kein zusätzlicher klinischer Nutzen gegenüber der Scheinbehandlung nachweisen.
Das macht die Arbeit interessanter als einen bloßen negativen Therapieversuch. Sie zeigt, dass die Antwort auf ein enttäuschendes Ergebnis nicht automatisch darin bestehen muss, die Dosis einer physikalischen Maßnahme zu erhöhen.
Vielleicht liegt die interessantere Therapie im Hintergrund
Schaut man ausschließlich auf den Laser, könnte man den Beitrag an dieser Stelle mit „wirkt nicht“ beenden. Das würde der Studie allerdings nicht gerecht.
Denn während die zusätzliche Laserbehandlung keinen nachweisbaren Vorteil brachte, erhielten beide Gruppen gleichzeitig mehrere konservative Maßnahmen: Orthese, Belastungsanpassung, therapeutisch begleitetes Training und ein individuelles Heimprogramm. Und in beiden Gruppen gingen die Schmerzen zurück.
Welche dieser Maßnahmen dafür verantwortlich war, kann die Studie nicht beantworten. Ebenso wenig lässt sich daraus ableiten, dass die Orthese allein wirksam war. Dafür hätte es beispielsweise eine Gruppe ohne Orthese oder ohne Übungsprogramm gebraucht.
Gerade das ist methodisch wichtig: Die Untersuchung testet den Zusatznutzen des Lasers innerhalb eines Behandlungspakets, nicht die einzelnen Bestandteile dieses Pakets.
Beim Thema Orthesen lohnt sich außerdem ein Blick auf unseren IHHC-Beitrag „Die beste Schiene wirkt nur, wenn sie getragen wird“. Dort haben wir anhand einer systematischen Übersichtsarbeit gezeigt, warum Passform, Alltagstauglichkeit, verständliche Anleitung und tatsächliche Tragezeit mitgedacht werden müssen. Eine biomechanisch plausible Orthese kann ihren vorgesehenen Zweck schließlich nur erfüllen, wenn sie unter realen Bedingungen auch genutzt wird.
Dass dies auch in der aktuellen De-Quervain-Studie berücksichtigt wurde, ist positiv: Die Trageadhärenz der Orthese wurde dokumentiert und war zwischen den beiden Gruppen vergleichbar.
Mehr Therapie ist nicht automatisch mehr Wirkung
Vielleicht ist genau das die praktisch interessanteste Botschaft dieser Untersuchung.
In der Rehabilitation lässt sich eine Basisbehandlung leicht erweitern. Zur Orthese kommt eine physikalische Maßnahme, zum Übungsprogramm noch eine weitere Technik. Jede einzelne Ergänzung kann theoretisch plausibel erscheinen.
Die entscheidende klinische Frage lautet aber nicht, ob eine Maßnahme irgendetwas bewirken könnte. Sie lautet, ob sie gegenüber einer bereits sinnvollen Behandlung einen zusätzlichen relevanten Nutzen bringt.
Sham-kontrollierte Studien sind dafür besonders wertvoll. Ohne die Scheinlasergruppe hätte man in der aktuellen Untersuchung lediglich gesehen, dass die Schmerzen nach mehreren Laserbehandlungen zurückgingen. Man hätte diesen Verlauf leicht der Lasertherapie zuschreiben können.
Erst der Vergleich zeigt: Die Schmerzen gingen auch zurück, wenn keine Laserenergie abgegeben wurde.
Bedeutet das nun: kein Laser bei De Quervain?
Auch diese Schlussfolgerung wäre zu weitgehend.
Die Studie untersuchte 26 Personen, ein bestimmtes Lasersystem, eine genau definierte Dosierung und einen Beobachtungszeitraum von sechs Wochen. Die Autoren selbst weisen darauf hin, dass weitere Untersuchungen notwendig sind, um geeignete Laserparameter und mögliche klinische Indikationen zu klären.
Vor allem sollte das Ergebnis nicht auf jede Form der Laser- oder Photobiomodulationstherapie übertragen werden. Unterschiedliche Wellenlängen, Energiedichten und Behandlungsprotokolle sind nicht automatisch vergleichbar.
Was sich aus dieser RCT wesentlich sicherer sagen lässt, ist enger gefasst:
Das hier untersuchte 1064-nm-Hochleistungslaserprotokoll brachte bei De Quervain keinen nachweisbaren Zusatznutzen gegenüber der Scheinbehandlung, wenn beide Gruppen gleichzeitig mit Orthese, Beratung und Übungsprogramm versorgt wurden.
Das ist weniger spektakulär als ein pauschales „Laser wirkt nicht“. Für die therapeutische Entscheidung ist es aber wesentlich brauchbarer.
Was bleibt für die Handtherapie?
De Quervain ist ein gutes Beispiel dafür, weshalb Behandlung nicht allein nach der Anzahl verfügbarer Maßnahmen geplant werden sollte.
Die aktuelle Studie spricht nicht gegen aktive Rehabilitation, nicht gegen Orthesen und auch nicht grundsätzlich gegen jede Form physikalischer Therapie. Sie zeigt vielmehr, wie wichtig es ist, bei einer zusätzlichen Intervention nach ihrem Mehrwert gegenüber dem bereits laufenden Behandlungskonzept zu fragen.
Gerade bei einer konservativen Versorgung lohnt deshalb der Blick auf das Ganze: Welche Bewegungen provozieren die Beschwerden? Welche Belastungen lassen sich vorübergehend verändern? Wie gut lässt sich eine Orthese tatsächlich in den Alltag integrieren? Welche Bewegung und Belastbarkeit sollen schrittweise wieder aufgebaut werden? Und welche zusätzliche Maßnahme verändert das Ergebnis nachweisbar?
Manchmal besteht gute Therapie eben nicht darin, noch etwas hinzuzufügen.
Sondern darin, zu wissen, wann das Hinzufügen keinen erkennbaren Vorteil bringt.
Literaturverzeichnis
Sumanapun N., Champaiboon J., Paktranon K., Srilabutr P., Boonhong J. (2026). Effectiveness of 1064-nm high-power laser therapy combined with thumb spica splinting in De Quervain’s tenosynovitis: a randomized double-blind sham-controlled trial. BMC Musculoskeletal Disorders. 2026;27:511. Published April 27, 2026. Hier zum Volltext bei PubMed Central.
Dieser Artikel dient der fachlichen Weiterbildung und ersetzt keine individuelle medizinische Diagnostik oder Therapieentscheidung. Die Auswahl und Dosierung therapeutischer Maßnahmen sollte sich nach Befund, Beschwerden und individuellen Voraussetzungen richten. Quellenstand: September 2026.

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