Wenn ein Neugeborenes in die Familie kommt, beobachten Eltern jede kleinste Bewegung. Dabei fällt manchmal auf: Das Baby schaut fast nur nach rechts, der Hinterkopf wirkt leicht abgeflacht oder die Körperhaltung erscheint ständig asymmetrisch. Solche Entwicklungsauffälligkeiten bei Säuglingen, wie eine eingeschränkte Kopfdrehung, können Unsicherheit auslösen. Hier ist ein frühes Handeln entscheidend, da das Gehirn in den ersten Lebensmonaten eine enorme Anpassungsfähigkeit besitzt (Stoevesandt, 2019; Berwanger, 2026).
Um zu verstehen, wie moderne Physiotherapie diese Entwicklung sanft lenken kann, haben wir die Praxis von Tanja Berwanger und ihrem Team in Lügde besucht. Dort zeigt sie, wie das bewährte Bobath-Konzept Familien hilft, die motorische Entwicklung ihres Kindes von Anfang an positiv zu gestalten.
Was ist die Bobath-Therapie?
Die Bobath-Therapie ist kein starres Übungsprogramm, sondern ein neurophysiologischer Ansatz, der in den 1940er Jahren von Berta und Karel Bobath entwickelt wurde. Im Zentrum steht die Förderung normaler Bewegungsmuster und die Hemmung nicht physiologischer Haltungen.
Ein zentraler Pfeiler ist die Neuroplastizität: Das junge Gehirn lernt durch Erfahrung. Durch gezielte Reize können neue Nervenbahnen geknüpft und motorische Lernprozesse angeregt werden. Im Gegensatz zu klassischen „Turnübungen“ ist Bobath ein 24-Stunden-Konzept, das den gesamten Alltag des Patienten einbezieht (Bobath-Vereinigung, 2025; Karch et al., 2004).
Bobath-Therapie bei Säuglingen: Der Alltag als Therapie
Bei der Bobath-Therapie für Säuglinge geht es weniger um Behandlungstische als vielmehr um das tägliche Miteinander. Die Besonderheit liegt im „Handling“: Wie hebe ich mein Kind hoch? Wie halte ich es beim Füttern?
Typische Indikationen für eine Physiotherapie zur Baby-Entwicklung sind:
- Asymmetrien und Vorzugshaltungen („Lieblingsseite“).
- Verzögerte motorische Meilensteine (Greifen, Rollen, Krabbeln).
- Auffälligkeiten im Muskeltonus (das Baby wirkt zu schlaff oder zu steif).
- Folgen von Frühgeburten oder neurologische Diagnosen.
Experteneinblick: Tanja Berwanger über ganzheitliche Hilfe
In ihrer Praxis betont Tanja Berwanger die Bedeutung der engen Zusammenarbeit mit den Eltern:
„Bobath bei Säuglingen ist deshalb so wertvoll, weil wir die enorme Lernfähigkeit des Nervensystems nutzen. Häufig kommen Eltern zu mir, wenn sie bemerken, dass ihr Kind eine Seite vernachlässigt. Mein Ansatz ist dann immer ganzheitlich: Wir schauen nicht nur auf den Muskel, sondern auf das gesamte Kind in seiner Umgebung. Die Elternarbeit ist dabei das Herzstück. Ich zeige ihnen Griffe, die sie ganz natürlich beim Wickeln oder Spielen anwenden können. So wird die Therapie zum Teil des liebevollen Alltags.“
Fallbeispiel: Wenn die Kopfdrehung beim Baby eingeschränkt ist
Stellen wir uns die kleine Pauline vor. Pauline hat eine ausgeprägte Lieblingsseite nach rechts. Ihre linke Rumpfseite wirkt schwächer, und der Hinterkopf zeigt rechts bereits eine leichte Abflachung, einen sogenannten lagebedingten Plagiocephalus.
Die Ursachen: Oft liegen solche Asymmetrien an einer einseitigen Lagerung oder Spannungen, die bereits während der Geburt entstanden sind.
Der Therapieansatz nach Bobath:
- Gezielte Lagerung: Um das Wachstum des Schädels wieder in Symmetrie zu bringen, wird Pauline im Schlaf konsequent so gelagert, dass die prominente (nicht abgeflachte) Seite belastet wird.
- Geführte Bewegungen: In der Therapie nutzt Tanja Berwanger optische und akustische Reize (wie ein buntes Glöckchen), um Pauline zu motivieren, ihren Kopf aktiv nach links zu drehen.
- Integration in den Alltag: Die Eltern lernen Pauline so zu tragen, dass sie sich aktiv gegen die Schwerkraft aufrichten muss, um ihre schwächere linke Seite zu trainieren. Beim Stillen oder Füttern wird die Position so gewählt, dass sie zur „unbequemen“ Seite schauen muss.
Was Eltern selbst tun können
Frühzeitiges Handeln ist der Schlüssel, um Sekundärfolgen wie Haltungsschäden oder Skoliosen zu vermeiden.
- Bauchlagentraining: Integriere, wenn das Baby wach ist, mehrmals täglich kurze Phasen in Bauchlage (z. B. 5×5 Minuten), um die Nacken- und Rückenmuskulatur zu stärken.
- Abwechslungsreiches Handling: Wechsle die Seiten beim Tragen und füttere nicht immer in derselben Position.
- Beobachtung: Achte darauf, ob Dein Baby den Kopf in beide Richtungen frei um 180 Grad drehen kann (Stoevesandt, 2019; Berwanger, 2026).
Gemeinsam für einen starken Start
Die Bobath-Therapie für Babys ist ein wunderbarer Weg, um Entwicklungsverzögerungen spielerisch und effektiv zu begegnen. Es ist die Kombination aus professioneller physiotherapeutischer Begleitung und der konsequenten Umsetzung im Alltag, die den Erfolg bringt. Als Teil der IHHC (International Hand Health Community) setzen wir uns für Netzwerke ein, die moderne Therapieformen fördern. Fachpraxen wie die von Tanja Berwanger sind wertvolle Anlaufstellen, die durch ihre spezialisierte Weiterbildung eine qualifizierte Behandlung auf höchstem Niveau sicherstellen. Vertraue auf Dein Bauchgefühl und suche frühzeitig das Gespräch mit Experten, für eine gesunde und symmetrische Entwicklung Deines Kindes. Weitere Informationen findest Du direkt auf der Homepage von Tanja Berwanger.Literaturverzeichnis
- Berwanger (2026): Bobath Konzept für Kinder. URL: https://physiotherapie-tanja-berwanger.de/bobath-konzept-fuer-kinder/
- Bobath-Vereinigung (2025): Das Bobath-Konzept kurz erklärt. URL: https://www.bobath-vereinigung.de/ueber-das-bobath-konzept/
- IFK e. V. Bundesverband selbstständiger Physiotherapeuten (2026): Bobath-Therapie Kinder. URL: https://www.ifk.de/patienteninformation/therapien/361/bobath-therapie-kinder
- Karch , Boltshauser E., Göhlich-Ratmann G., Gross-Selbeck G., Pietz J., Schlack H-G. (2004): Physiotherapie auf neurophysiologischer Grundlage nach Bobath und Vojta bei Kindern mit zerebralen Bewegungsstörungen. In: Steinlin M., Kaufmann F., Fuhrer K., Strozzi S. (Hg.) Aktuelle Neuropädiatrie 2004. Novartis Pharma Verlag Nürnberg. (Kommission der Gesellschaft für Neuropädiatrie zu Behandlungsverfahren bei Entwicklungsstörungen und zerebralen Bewegungsstörungen unter Mitwirkung der DGSPJ)
- Stoevesandt (2019): Haltungsasymmetrie bei Säuglingen: Beobachtung, Handling und Lagerung. In: Hebamme 2019; 32(05): 7-16. doi: 10.1055/a-1001-5265
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