Die Übung sitzt. Zumindest in der Therapie. Der Bewegungsablauf stimmt, die Dosierung wurde besprochen, Rückfragen sind geklärt. Einige Tage später zeigt sich beim nächsten Termin trotzdem eine andere Variante: mehr Wiederholungen, ein veränderter Bewegungsweg oder eine Belastung, die so eigentlich nicht vorgesehen war.
Das ist kein ungewöhnlicher Vorgang. Zwischen dem, was in einer Behandlung erklärt wird, und dem, was zu Hause davon ankommt, liegen einige Schritte. Informationen müssen verstanden, erinnert und schließlich in eine Handlung übersetzt werden. Gerade in der Handtherapie ist das relevant, weil ein erheblicher Teil der Rehabilitation außerhalb des Behandlungsraums stattfindet.
Wie Informationen vermittelt werden, könnte deshalb mehr sein als eine Frage der Organisation. Gespräch, Informationsblatt oder Video bieten jeweils andere Möglichkeiten. Eine 2026 im Journal of Hand Therapy veröffentlichte randomisierte Studie hat diese drei Formen der Patientenedukation bei Menschen mit arbeitsbedingten Hand- und Unterarmverletzungen miteinander verglichen.
Das Ergebnis ist gerade deshalb interessant, weil es keinen eindeutigen Sieger gibt.
Wenn aus Information eine Handlung werden soll
Patientenedukation begleitet die Handtherapie fast selbstverständlich. Wir erklären Verletzungen und Heilungsverläufe, besprechen Belastungsgrenzen, zeigen Übungen oder vermitteln den Umgang mit Hilfsmitteln und Orthesen. Vieles davon soll anschließend selbstständig umgesetzt werden.
Dabei erfüllt Edukation unterschiedliche Aufgaben. Wer verstehen soll, was bei einem Triggerfinger geschieht, benötigt andere Informationen als jemand, der einen bestimmten Bewegungsablauf zu Hause korrekt wiederholen soll. Nach einer schweren Handverletzung können wiederum Unsicherheit, Angst und die Frage nach der beruflichen Zukunft eine größere Rolle spielen.
Genau deshalb lässt sich die Qualität von Patientenedukation kaum daran festmachen, ob Informationen lediglich weitergegeben wurden. Entscheidend ist, was sie bei der jeweiligen Person bewirken.
Gespräch, Informationsblatt oder Video
Usta Özdemir und Kollegen untersuchten in ihrer 2026 veröffentlichten Studie Erwachsene mit arbeitsbedingten Verletzungen von Hand oder Unterarm. Von 169 zunächst untersuchten Personen erfüllten 115 die Einschlusskriterien und wurden nach der Ausgangsuntersuchung randomisiert einer von drei Gruppen zugeteilt. 75 Personen nahmen an der Nachuntersuchung nach drei Monaten teil.
Die Informationen unterschieden sich nicht primär durch ihren Inhalt, sondern durch die Form der Vermittlung: Eine Gruppe erhielt sie mündlich, eine zweite schriftlich und eine dritte videobasiert.
Bemerkenswert ist die Auswahl der Endpunkte. Die Forschenden interessierten sich nicht allein für die körperliche Funktion. Als primäre Endpunkte wurden traumabezogene Belastung und aktuelle Angst erfasst. Zusätzlich untersuchten sie Griff- und Pinchkraft sowie verschiedene Bereiche des Michigan Hand Outcomes Questionnaire (MHQ).
Damit wurde Patientenedukation bewusst breiter betrachtet. Bei einer arbeitsbedingten Verletzung geht es schließlich nicht ausschließlich darum, wie kräftig eine Hand wieder greifen kann. Auch der Umgang mit dem Ereignis und die wahrgenommene Handfunktion gehören zur Rehabilitation.
Das Video gewinnt nicht automatisch
Man könnte vermuten, dass bewegte Bilder gerade bei einem körperlich orientierten Thema einen deutlichen Vorteil haben. Die Ergebnisse der Studie zeichnen jedoch ein differenzierteres Bild.
Die traumabezogene Belastung ging innerhalb der Gruppe mit schriftlichen Informationen und innerhalb der Videogruppe signifikant zurück. Im direkten Vergleich der drei Gruppen zeigten sich jedoch weder bei der traumabezogenen Belastung noch bei der aktuellen Angst signifikante Unterschiede.
Bei einzelnen funktionellen Ergebnissen fanden die Forschenden Gruppenunterschiede, unter anderem bei der Spitzenpinchkraft und im Bereich Arbeitsleistung des MHQ. Die Effektstärken waren allerdings klein. Auch die Bewertung der Informationsvermittlung durch die Teilnehmenden unterschied sich nicht signifikant zwischen den Gruppen.
Damit liefert die Untersuchung keine Grundlage dafür, eines der drei Formate grundsätzlich über die anderen zu stellen. Für die Praxis ist gerade das eine wichtige Erkenntnis: Die Art der Vermittlung allein entscheidet offenbar nicht darüber, wie erfolgreich Patientenedukation ist.
Das bedeutet allerdings nicht, dass es gleichgültig wäre, ob wir etwas erklären, aufschreiben oder zeigen.
Bei einer Bewegung kann das Medium plötzlich wichtig werden
Das wird deutlich, wenn man die aktuelle Untersuchung mit früheren randomisierten Studien vergleicht.
Toci und Kollegen (2023) untersuchten Patientinnen und Patienten, die Übungen für Hand und Handgelenk selbstständig zu Hause durchführen sollten. 89 Personen erhielten die Übungen entweder in Form eines klassischen Handouts oder als Video.
Zu Beginn unterschieden sich die Gruppen kaum. Im weiteren Verlauf nutzten die Personen mit Videozugang jedoch mehr der bereitgestellten Übungen und berichteten ein größeres Vertrauen darin, diese korrekt auszuführen.
Das ist ein wichtiger Unterschied zur Studie von Usta Özdemir und Kollegen. Hier ging es nicht primär um psychische Belastung oder die allgemeine Handfunktion, sondern um etwas sehr Konkretes: Kann ich die Übung zu Hause so ausführen, wie sie vorgesehen ist?
Bei einer Bewegung besitzt ein Video Eigenschaften, die ein Blatt Papier nur begrenzt bieten kann. Bewegungsrichtung, Tempo und Ablauf lassen sich erneut ansehen. Eine Übung muss nicht allein aus einer Abbildung oder einer schriftlichen Beschreibung rekonstruiert werden.
Daraus folgt noch nicht, dass eine Videoanleitung zu einem besseren klinischen Ergebnis führt. Sie kann aber die Hürde zwischen „Ich habe die Übung erklärt bekommen“ und „Ich weiß zu Hause noch, wie sie funktioniert“ verkleinern.
Und wenn es gar nicht um eine Übung geht?
Eine weitere randomisierte Studie derselben Arbeitsgruppe macht die Sache noch interessanter.
Diesmal ging es um Patientinnen und Patienten mit Triggerfinger. Sie erhielten inhaltlich vergleichbare Informationen zur Erkrankung, Diagnose und Behandlung, entweder als schriftliches Handout oder in einem kurzen Video.
Von 71 eingeschlossenen Personen schlossen 60 die anschließende Befragung ab. Beim Wissenstest erreichte die Videogruppe im Mittel 82 Prozent, die Handout-Gruppe 71 Prozent. Auch die Zufriedenheit mit der Informationsvermittlung war in der Videogruppe höher.
Videos können demnach nicht nur beim Nachvollziehen von Bewegungen hilfreich sein. Auch medizinische Informationen lassen sich auf diesem Weg erfolgreich vermitteln.
Trotzdem wäre die Schlussfolgerung „Video ist besser“ zu einfach. Die drei Studien untersuchten unterschiedliche Patientengruppen und vor allem unterschiedliche Ziele. Einmal ging es um Verständnis und Zufriedenheit, einmal um Heimübungen und das Vertrauen in deren korrekte Durchführung, in der aktuellen Studie unter anderem um traumabezogene Belastung, Angst und Handfunktion.
Patientenedukation ist eben kein einzelner therapeutischer Wirkstoff, den man unabhängig vom Inhalt vergleichen kann.
Vielleicht stellen wir die falsche Frage
In der Praxis wird häufig über das Medium gesprochen: Brauchen wir mehr Videos? Reicht ein Informationsblatt? Sollte alles noch einmal mündlich erklärt werden?
Für die Handtherapie könnte eine andere Frage hilfreicher sein: Was soll die Patientin oder der Patient nach diesem Gespräch tatsächlich wissen oder können?
Geht es darum, einen komplexen Bewegungsablauf zu Hause zu reproduzieren, kann eine Videoanleitung sinnvoll sein. Geht es um wenige konkrete Belastungsregeln, kann eine kurze schriftliche Zusammenfassung ausreichen. Bestehen Unsicherheit, Missverständnisse oder individuelle Fragen, lässt sich das persönliche Gespräch kaum ersetzen.
In vielen Situationen dürfte deshalb gerade die Kombination verschiedener Formate sinnvoll sein: eine Übung gemeinsam durchführen, zentrale Punkte erklären und eine Möglichkeit geben, den Ablauf später noch einmal nachzusehen.
Das ist allerdings eine praktische Schlussfolgerung aus den unterschiedlichen Eigenschaften der Formate, kein durch die genannten Studien belegener Nachweis, dass eine solche Kombination grundsätzlich bessere Behandlungsergebnisse erzielt.
Verstanden ist nicht dasselbe wie umgesetzt
Noch etwas lässt sich aus den Untersuchungen mitnehmen. Wissen, Zufriedenheit, Vertrauen in die Übungsausführung und klinische Funktion sind unterschiedliche Ergebnisse.
Eine Patientin kann eine Erkrankung hervorragend erklären und ihre Übungen trotzdem nicht regelmäßig durchführen. Umgekehrt kann jemand ein Heimprogramm zuverlässig absolvieren, ohne jedes anatomische Detail verstanden zu haben. Und selbst eine perfekte Übungsadhärenz garantiert nicht, dass sich Kraft, Beweglichkeit oder Schmerzen im gleichen Maß verbessern.
Diese Ebenen sollten auch bei der Bewertung von Patientenedukation getrennt werden.
Wenn ein Video das Verständnis verbessert, ist das zunächst ein Erfolg der Wissensvermittlung. Wenn Patientinnen und Patienten dadurch Übungen sicherer durchführen, betrifft das die Umsetzung. Erst wenn sich anschließend auch klinische Parameter verändern, sprechen wir über einen möglichen Effekt auf das Behandlungsergebnis.
Gerade diese Trennung schützt davor, Patientenedukation entweder zu überschätzen oder ihre Bedeutung zu unterschätzen.
Was lässt sich für die Handtherapie mitnehmen?
Die aktuelle Forschung spricht nicht dafür, das therapeutische Gespräch durch ein digitales Format zu ersetzen. Sie spricht ebenso wenig dafür, Videos lediglich als moderne Ergänzung ohne eigenen Nutzen abzutun.
Entscheidender scheint zu sein, Inhalt und Form der Information zusammenzudenken.
Bei einer Heimübung kann es hilfreich sein, einen Bewegungsablauf erneut ansehen zu können. Bei Informationen über Erkrankung und Behandlung können Videos das Verständnis unterstützen. Schriftliche Materialien wiederum bleiben jederzeit verfügbar und ermöglichen es, zentrale Informationen nachzulesen. Das persönliche Gespräch bietet etwas, das weder Blatt noch Bildschirm leisten: unmittelbar auf Verständnisprobleme, Fragen und die individuelle Situation zu reagieren.
Patientenedukation beginnt deshalb nicht mit der Entscheidung zwischen Papier und Video. Sie beginnt mit einer viel einfacheren Frage:
Was muss diese Person nach der Behandlung verstanden haben und was muss sie zu Hause tatsächlich umsetzen können?
Erst danach sollte entschieden werden, wie wir die Information vermitteln.
Literatur
Usta Özdemir H., Eraslan U., Kitiş A., Demirkan A.F. (2026). Effectiveness of verbal, written, and video-based educational interventions in hand rehabilitation for occupational hand and forearm injuries: A randomized controlled, single-blinded trial. J Hand Ther. 2026. doi:10.1016/j.jht.2026.05.008.
Toci G.R., Green A., Mubin N., Imbergamo C., Sirch F., Varghese B., Aita D., Fletcher D., Katt B.M. (2021). Patient Adherence With At-Home Hand and Wrist Exercises: A Randomized Controlled Trial of Video Versus Handout Format. Hand (N Y). 2023 Jun;18(4):680-685. doi: 10.1177/15589447211052750.
Toci G.R., Filtes P., Lau V., Imbergamo C., Varghese B., Tawfik A., Sirch F., Fletcher D., Katt B.M. (2023). Patient Comprehension of Trigger Finger Concepts Based on Distribution Format: A Randomized Controlled Trial of Handout Versus Video. Hand (N Y). 2023 Jun;18(4):562-567. doi: 10.1177/15589447211058816.
Dieser Artikel dient der fachlichen Weiterbildung von Handtherapeutinnen und Handtherapeuten sowie Fachpersonen im Bereich der Handrehabilitation. Er ersetzt keine individuelle klinische Einschätzung oder ärztliche Empfehlung. Quellenstand: September 2026.

Die IHHC Redaktion ist das Redaktionsteam der International Hand Health Community (IHHC) und verantwortet die Erstellung, fachliche Prüfung und kontinuierliche Aktualisierung der veröffentlichten Inhalte. Ziel der Redaktion ist es, aktuelles Wissen aus Handtherapie, Ergotherapie, Physiotherapie, Rehabilitation und Medizin verständlich, praxisnah und wissenschaftlich fundiert aufzubereiten.
- IHHC® Redaktion
