Ödem nach Handverbrennungen: Wie früh sollte die Kompression beginnen?

Ödem nach Handverbrennungen

Bei einer akuten Handverbrennung richtet sich die Aufmerksamkeit zunächst auf die Wunde. Für die spätere Funktion der Hand beginnt die Rehabilitation jedoch bereits in dieser frühen Phase. Eine der Herausforderungen ist das entstehende Ödem: Die Hand schwillt an, Bewegungen werden schwieriger und die Beweglichkeit der Gelenke kann zunehmend eingeschränkt sein.

Das Ödemmanagement gehört deshalb zur Rehabilitation von Handverbrennungen. Neben Positionierung und Bewegung kommen auch Kompressionsverfahren zum Einsatz. Eine aktuelle randomisierte Studie greift dabei eine wichtige Frage auf: Kann eine niedrig dosierte Kompression bereits während der Akutphase sinnvoll sein?

Die 2026 im Journal of Burn Care & Research veröffentlichte Untersuchung von Mendes und Kollegen liefert hierzu neue Daten. Im Mittelpunkt steht eine Kompression mit 8 mmHg, die zusätzlich zur Standardversorgung eingesetzt wurde. Untersucht wurden neben dem Handödem auch die passive Beweglichkeit der Fingergrundgelenke und die Griffkraft.

Warum das Ödem für die Handtherapie relevant ist

Ein ausgeprägtes Handödem ist mehr als eine sichtbare Begleiterscheinung der Verletzung. Mit zunehmender Schwellung kann Bewegung schwieriger werden. Gerade an der Hand mit ihren zahlreichen Gelenken, Sehnen und eng aufeinander abgestimmten Strukturen kann dies die funktionelle Rehabilitation erschweren.

Entsprechend wird versucht, die Schwellung früh zu kontrollieren und gleichzeitig Beweglichkeit zu erhalten. Kompression ist dabei keine neue Idee. Verschiedene Verfahren wurden bereits in früheren Untersuchungen eingesetzt. Die aktuelle Studie richtet den Blick jedoch gezielt auf eine frühe, niedrig dosierte Kompression in der Akutphase.

40 verbrannte Hände im direkten Vergleich

Mendes und Kollegen führten zwischen November 2023 und März 2025 an einem spezialisierten Verbrennungszentrum eine randomisierte kontrollierte Studie durch.

Teilgenommen haben 32 Erwachsene mit insgesamt 40 betroffenen Händen. Eingeschlossen wurden oberflächliche und/oder tiefe zweitgradige Verbrennungen der Hand. Zwanzig Hände erhielten die übliche Standardversorgung, bei weiteren 20 wurde diese durch eine Kompression mit 8 mmHg ergänzt.

Zu Beginn und am Ende der Akutphase erfassten die Forschenden Handödem, passive Beweglichkeit der MCP-Gelenke und Griffkraft.

Weniger Ödem, mehr Beweglichkeit und höhere Griffkraft

Bei allen drei untersuchten Parametern zeigten sich Unterschiede zugunsten der zusätzlichen Kompression.

Das Handödem nahm in der Kompressionsgruppe durchschnittlich um 4,2 ± 2,9 cm ab, in der Kontrollgruppe um 2,3 ± 2,1 cm. Die passive Beweglichkeit der MCP-Gelenke verbesserte sich um durchschnittlich 23,6 ± 12,8 Grad gegenüber 8,6 ± 16,7 Grad. Bei der Griffkraft verzeichnete die Kompressionsgruppe einen Anstieg um 4,2 ± 5,9 kg, während der Wert in der Kontrollgruppe im Mittel um 0,8 ± 5,0 kg sank.

Die Unterschiede zwischen den Gruppen waren bei allen drei Parametern statistisch signifikant und blieben auch nach Berücksichtigung der Ausgangswerte bestehen. Unerwünschte Ereignisse wurden nicht berichtet.

Für die Handtherapie ist bemerkenswert, dass damit nicht allein die Schwellung betrachtet wurde. Auch Beweglichkeit und Kraft entwickelten sich unter zusätzlicher Kompression besser. Daraus lässt sich allerdings nicht schließen, dass die stärkere Ödemreduktion unmittelbar für die funktionellen Veränderungen verantwortlich war. Die Studie zeigt zunächst, dass sich diese Parameter unter dem untersuchten Behandlungskonzept gleichzeitig günstiger entwickelten.

48 bis 72 Stunden: Wie ist diese Angabe einzuordnen?

Besonders relevant ist die Schlussfolgerung der Autoren. Sie schlagen auf Grundlage ihrer Ergebnisse vor, einen Beginn der Kompression 48 bis 72 Stunden nach der Verletzung als Bestandteil von Behandlungsprotokollen für akute Handverbrennungen in Betracht zu ziehen.

Daraus sollte keine allgemeine Regel nach dem Muster „ab dem dritten Tag komprimieren“ entstehen. Untersucht wurden Erwachsene mit oberflächlichen und/oder tiefen zweitgradigen Handverbrennungen und eine Kompression von 8 mmHg. Mit 32 Teilnehmenden beziehungsweise 40 betroffenen Händen war die Untersuchung zudem vergleichsweise klein.

Die Ergebnisse sprechen daher zunächst dafür, dass eine niedrig dosierte Kompression bei bestimmten Handverbrennungen bereits früh eingesetzt werden könnte. Ob sich dieses Vorgehen auf andere Verbrennungsgrade und Behandlungssituationen übertragen lässt, bleibt offen.

Was wussten wir bereits über Kompression?

Dass Kompression bei Ödemen nach Handverbrennungen eine Rolle spielen kann, ist nicht neu.

Park und Kollegen untersuchten 2016 bei 42 Patientinnen und Patienten einen modifizierten Kompressionsverband zusätzlich zur konventionellen Therapie. Dabei zeigten sich unter anderem Vorteile bei Handumfang, Hautdicke und MCP-Beweglichkeit. Bei der Griffkraft und einigen weiteren funktionellen Parametern ergab sich dagegen kein zusätzlicher Gruppeneffekt.

Eine größere randomisierte Studie von Edwick und Kollegen folgte 2020. Bei 100 Patientinnen und Patienten mit akuten Handverbrennungen wurden zwei Applikationsformen eines kohäsiven Kompressionsverbandes mit einem handelsüblichen Kompressionshandschuh verglichen. Das Handvolumen nahm unter allen drei Verfahren ab. Die beiden Verbandstechniken führten jedoch zu einer stärkeren Ödemreduktion als der Kompressionshandschuh.

Die neue Untersuchung von Mendes und Kollegen ergänzt diese Arbeiten um einen wichtigen Aspekt: den frühen Einsatz einer definierten, niedrig dosierten Kompression. Damit rücken neben der grundsätzlichen Anwendung von Kompression stärker der Zeitpunkt und die Dosierung in den Vordergrund.

Was lässt sich für die Handtherapie mitnehmen?

Die neue Studie liefert keinen fertigen Behandlungsstandard. Sie gibt aber Anlass, den Zeitpunkt der Kompression bei akuten Handverbrennungen genauer zu betrachten.

Die bisherige Forschung zeigt, dass Kompressionsverfahren zur Ödemkontrolle beitragen können und dass sich unterschiedliche Verfahren in ihrer Wirkung unterscheiden. Mendes und Kollegen erweitern dieses Bild nun um die Frage, ob eine kontrollierte Kompression bereits sehr früh in der Behandlung eingesetzt werden kann.

Für die Handtherapie ergibt sich daraus deshalb weniger die pauschale Forderung, künftig früher zu komprimieren. Interessanter ist die Frage, ob bei geeigneten Patientinnen und Patienten der richtige Zeitpunkt für eine sorgfältig dosierte Kompression früher liegen kann als bislang angenommen.

Welche Patientengruppen davon besonders profitieren, wie sich unterschiedliche Verbrennungstiefen auswirken und welches Vorgehen hinsichtlich Druck und Dauer am besten geeignet ist, muss weitere Forschung klären.

Literatur

Edwick DO., Hince DA., Rawlins JM., Wood FM., Edgar DW. (2020). Randomized Controlled Trial of Compression Interventions for Managing Hand Burn Edema, as Measured by Bioimpedance Spectroscopy. J Burn Care Res. 2020;41(5):992–999. doi:10.1093/jbcr/iraa104.

Mendes JPS., Marques FCF., de Sousa AJF., Miranda LLM., de Assunção JAF., Santos-Costa J., de Almeida Cabral JL. (2026). Effectiveness of Early Compression Therapy in Acute Hand Burns: A Randomized Controlled Trial. J Burn Care Res. 2026;47(3):891–898. doi:10.1093/jbcr/irag022.

Park WY., Jung SJ., Joo SY., Jang KU., Seo CH., Jun AY. (2016). Effects of a Modified Hand Compression Bandage for Treatment of Post-Burn Hand Edemas. Ann Rehabil Med. 2016;40(2):341–350. doi:10.5535/arm.2016.40.2.341.

Dieser Artikel dient der fachlichen Weiterbildung von Handtherapeutinnen und Handtherapeuten sowie Fachpersonen im Bereich der Handrehabilitation. Er ersetzt keine individuelle klinische Einschätzung oder ärztliche Empfehlung. Quellenstand: September 2026.

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