Therapieknete richtig dosieren: Welcher Widerstand passt zu welcher Belastbarkeit?

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Eine Patientin sitzt übungs- bzw. trainingsstabil nach ihrer Beugesehnennaht am Therapietisch und knetet dieselbe gelbe Portion an Therapieknete wie schon in Woche eins. Sie schafft die Übung inzwischen mühelos, fast nebenbei, während sie mit der Therapeutin über ihren Alltag spricht. Genau das ist das Problem: Der Widerstand ist stehengeblieben, obwohl sich die Belastbarkeit der Hand längst verändert hat. Wie Therapieknete in der Praxis eingesetzt wird, haben wir bereits an anderer Stelle beschrieben: in „Praktische Übungen mit Therapieknete” geht es um konkrete Übungen, in „Warum nehme ich Therapieknete als Medizinprodukt in meiner Praxis?” um die fachliche und rechtliche Einordnung des Materials. Dieser Artikel setzt einen Schritt davor an: bei der Entscheidung, welcher Widerstand zu welchem Zeitpunkt überhaupt sinnvoll ist. Denn die Therapieknete selbst macht nichts richtig oder falsch. Das entscheidet die Dosierung.

Warum die Widerstandswahl mehr ist als eine Frage der Gewohnheit

In vielen Praxen hat sich eine Art Standardgriff eingespielt: Ein Widerstandsgrad wird zur Gewohnheitslösung, weil er „meistens passt”. Das funktioniert so lange gut, bis er eben nicht mehr passt. So etwa, weil die Wundheilung weiter ist als beim letzten Termin, oder weil eine Patientin oder ein Patient mit rheumatoider Arthritis an einem schlechten Tag deutlich weniger Kraft hat als sonst. Der Widerstand einer Therapieknete ist kein Nebendetail, sondern die eigentliche Stellschraube der Übung. Zu weich, und der Trainingsreiz bleibt aus. Zu fest, und frisch heilendes Gewebe wird über Gebühr belastet oder die Übung frustriert, statt zu motivieren.

Wie Widerstandsgrade bei Therapieknete aufgebaut sind

Therapieknete wird herstellerübergreifend in Widerstandsstufen angeboten, die meist über Farben unterschieden werden. Das ist in der Regel von sehr weich bis sehr fest. Diese Einteilung ist ein Branchenstandard des Fachhandels, keine medizinische Leitlinie, aber sie ist in der Handtherapie so verbreitet, dass sie sich als gemeinsame Sprache zwischen Therapeutinnen und Therapeuten eingebürgert hat.

Von gelenkschonend bis sehr fest

Am unteren Ende der Skala steht eine gelenkschonende Variante, die kaum Widerstand gegen Faustschluss und Fingerextension leistet. Im Sortiment unseres Kooperationspartners, dem AFH Webshop, gibt es mit der Therapieknete Light sogar eine besonders gelenkschonende Variante. Im Unterschied zu herkömmlicher Therapieknete unterscheidet sie sich durch ihr geringeres Eigengewicht. Ferner ist sie in ihrer Konsistenz bei einer geringeren Viskosität weicher.

Am oberen Ende steht eine sehr feste Konsistenz, die selbst kräftige Hände fordert. Dazwischen liegen mehrere Abstufungen, die sich in kleinen Schritten steigern lassen. Entscheidend ist nicht, möglichst schnell bei der festesten Stufe anzukommen, sondern die Stufe zu wählen, die zur aktuellen Belastbarkeit passt und diese Einschätzung regelmäßig zu überprüfen.

Belastbarkeit richtig einschätzen: Was den Widerstand bestimmt

Belastbarkeit ist kein fester Wert, sondern verändert sich mit der Zeit seit Verletzung oder Operation, mit der Diagnose und mit dem Tagesverlauf. Drei Situationen kommen in der Praxis besonders häufig vor.

Frisch verletztes oder frisch operiertes Gewebe

Direkt nach einer Verletzung oder Operation befindet sich das Gewebe in der Entzündungs- und frühen Proliferationsphase. In dieser Zeit steht meist kontrollierte Bewegung im Vordergrund, nicht Kraftaufbau. Wenn Widerstandsübungen mit Therapieknete überhaupt schon indiziert sind, sollte die Freigabe durch die behandelnde Ärztin oder den behandelnden Arzt vorliegen, und der Widerstand sollte so niedrig gewählt werden, dass die Bewegung ohne Ausweichbewegung und ohne Schmerzverstärkung gelingt. Im Zweifel gilt: lieber eine Stufe zu weich als zu fest.

Fortgeschrittene Heilung und Kraftaufbau

Ist die Wundheilung so weit fortgeschritten, dass belastende Übungen freigegeben sind, verschiebt sich das Ziel Richtung Kraft- und Ausdaueraufbau. Jetzt darf der Widerstand spürbar fordern, ohne dass die Bewegung unsauber wird. Eine schrittweise Steigerung über mehrere Behandlungstermine hinweg ist in der Regel sinnvoller als ein großer Sprung. Das Gewebe passt sich an kontinuierliche, moderate Reize meist besser an als an sporadische Maximalbelastung.

Chronische Beschwerden und Belastung im Alltag

Bei chronischen Beschwerden, etwa im Rahmen einer Fingerarthrose, gilt eine andere Logik: Hier steht selten der schnellste Kraftzuwachs im Vordergrund, sondern eine Belastung, die Beweglichkeit und Funktion unterstützt, ohne Reizzustände auszulösen. Die Anwendung sollte hier besonders individuell geprüft werden, auch tagesabhängig. So kann ein Widerstand, der an einem beschwerdearmen Tag passt, an einem anderen Tag zu viel sein.

Die Zehn-Wiederholungen-Faustregel

Als praktische Orientierung im Therapiealltag gilt: Lässt sich eine Übung nicht mit sauberer Bewegungsausführung über etwa zehn Wiederholungen durchhalten, ist der Widerstand vermutlich zu hoch. Fühlt sich dieselbe Übung dagegen mühelos an und die Bewegung wird nicht bewusster ausgeführt, ist er wahrscheinlich zu niedrig. Diese Regel ersetzt keine fachliche Einschätzung der Heilungsphase, kann aber im Praxisalltag als schneller Realitätscheck dienen. Das ist insbesondere der Fall, wenn mehrere Patientinnen und Patienten kurz hintereinander behandelt werden und wenig Zeit für eine lange Analyse bleibt.

Praxisbeispiel: Widerstand über mehrere Wochen anpassen

Zurück zur Patientin aus der Einleitung: In der Phase belastungsstabil / übungsstabil nach der Beugesehnennaht schafft sie die Übung mit der gelben Knete ohne erkennbare Anstrengung. Nach Rücksprache mit der behandelnden Handchirurgie und im Rahmen des individuellen Heilungsverlaufs wird probeweise auf die nächsthöhere Stufe rot gewechselt. Die Zehn- Wiederholungen-Faustregel dient dabei als erste Kontrolle: Schafft sie die Übung sauber, bleibt die neue Stufe für die kommenden Termine bestehen; zeigt sich eine Ausweichbewegung oder Schmerzangabe, wird zurückgestuft. Diese Anpassung wird dokumentiert, sodass beim nächsten Termin nachvollziehbar ist, wann und warum der Widerstand verändert wurde. Sobald die passende Stufe feststeht, lohnt sich ein Blick in den Artikel „Praktische Übungen mit Therapieknete” für konkrete Übungsvarianten zu Kraft, Beweglichkeit und Koordination.

Für den Einstieg mit niedriger Belastbarkeit eignet sich eine gelenkschonende Therapieknete wie die AFH TheraPIE Knete® Light. Die passenden Produkte mit dem gesamten Widerstandsspektrum findest Du bei unserem Kooperationspartner, dem AFH Webshop®.

FAQ

Wie oft sollte der Widerstand einer Therapieknete angepasst werden?

Eine feste Regel gibt es nicht. In der Praxis hat es sich bewährt, die Belastbarkeit bei jedem oder jedem zweiten Termin kurz zu überprüfen und die Zehn-Wiederholungen-Faustregel als Orientierung zu nutzen, statt den Widerstand über Wochen unverändert zu lassen. Optimal wäre hier zusätzlich auch die regelmäßige Evaluation mit einem Handkraftmesser, um die Handkraft optimal zu erfassen und professionell für den Arzt zu dokumentieren.

Kann ich Therapieknete auch ohne therapeutische Anleitung zu Hause verwenden?

Als ergänzendes Training zwischen den Terminen kann Therapieknete im therapeutischen Kontext eingesetzt werden, wenn Widerstand und Übung vorher gemeinsam, optimal mit einer Therapeutin oder einem Therapeuten, festgelegt wurden. Bei akuten Verletzungen, nach Operationen oder bei unklaren Beschwerden sollte die Anwendung vorher ärztlich / therapeutisch abgeklärt werden.

Ist eine festere Knete automatisch die bessere Wahl für den Trainingserfolg?

Nein. Ein zu hoher Widerstand kann die Bewegungsqualität verschlechtern und heilendes Gewebe überlasten. Der passende Widerstand ist der, der eine saubere Bewegungsausführung über mehrere Wiederholungen erlaubt und nicht zwingend der festeste verfügbare.

Gibt es Diagnosen, bei denen von Widerstandsübungen mit Therapieknete abgeraten wird?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten und hängt von der individuellen Situation ab. Bei akuten Entzündungen, frisch versorgten Verletzungen ohne ärztliche Freigabe für Belastung oder starken Schmerzen ist Zurückhaltung angebracht. Die endgültige Einschätzung gehört in die individuelle therapeutische und ärztliche Abklärung.

Literaturverzeichnis

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Dieser Artikel ersetzt keine individuelle therapeutische oder ärztliche Einschätzung. Die Wahl des Widerstandsgrads sollte immer im Kontext der jeweiligen Diagnose, des Heilungsverlaufs und der individuellen Belastbarkeit erfolgen. Therapieknete kann den therapeutischen Prozess unterstützen, sie ersetzt jedoch keine Therapie und keine ärztliche Behandlung. Bei anhaltenden Beschwerden, Schmerzzunahme oder Unsicherheit bei der Belastungssteigerung sollte die weitere Vorgehensweise ärztlich oder therapeutisch abgeklärt werden.

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