Mundmotorische Übungen sind ein wichtiger Teil der logopädischen Therapiepraxis. Gezielte Bewegungsübungen können dabei helfen, die Muskelkraft zu optimieren und die Wahrnehmung im Mundraum zu trainieren. Sie bilden das Fundament, um Störungen der Mundmotorik effektiv entgegenzuwirken. Im Folgenden kannst Du lesen, welche Auslöser hinter einer schlaffen Mundmotorik stecken können und wie sich diese zu Hause spielerisch fördern lässt.
Was sind mundmotorische Störungen?
Orofaziale Dysfunktion oder myofunktionelle Störungen sind Beeinträchtigungen von Muskelspannung und Bewegungskoordination im Mund- und Gesichtsbereich. Vor allem jene Muskeln von Lippen, Zunge, Wangen und Kiefer sind betroffen. Bei mundmotorischen Störungen gerät das fein abgestimmte Zusammenspiel der unterschiedlichen Muskeln aus dem Gleichgewicht. Dies kann alltägliche Funktionen wie Kauen, Schlucken, Atmen und Sprechen erschweren.
Welche Ursachen kann schlaffe Mundmotorik bei Kindern haben?
Eine schlaffe Mundmotorik (auch als orofaziale Dysfunktion oder myofunktionelle Störung bezeichnet) kann vielfältige Ursachen haben. Dabei handelt es sich in vielen Fällen um ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren.
Mundatmung und Erkrankungen im Hals-Nasen-Ohren-Bereich sind beispielsweise häufig ursächlich. Kann ein Kind nicht durch die Nase atmen, öffnet es den Mund. Zudem können vergrößerte Rachen- und Gaumenmandeln die Nasenatmung blockieren. Auch Allergien und Schnupfen können die Mundmotorik beeinflussen, wenn aufgrund geschwollener Schleimhäute durch den Mund geatmet wird. Durch den ständig geöffneten Mund kann der natürliche Lippen- und Kieferschluss fehlen. Das kann zur Erschlaffung der Lippenmuskulatur führen und dafür sorgen, dass die Zunge am Mundboden liegt, statt sich am Gaumen abzustützen. Daneben sind zahlreiche weitere Ursachen für eine geschwächte Mundmotorik bei Kindern möglich:
- Ungünstige Angewohnheiten wie der lange Schnullergebrauch, Daumenlutschen sowie falsche Trinkgewohnheiten können die Muskelentwicklung im Mundraum stören und Fehlfunktionen fördern.
- Ernährungsgewohnheiten und insbesondere die Konsistenz können sich auswirken. Wird beispielsweise übermäßig weiche und breiige Kost und wenig feste Nahrung gekaut, wird die Kaumuskulatur nicht ausreichend trainiert.
- Muskelspannungsprobleme können bei einigen Kindern von Natur aus vorliegen. Ein allgemein niedrigerer Muskeltonus kann sich auf die Gesichts- und Mundmuskulatur auswirken.
- Anatomische Besonderheiten können es dem Kind erschweren, die Muskeln richtig einzusetzen. So kann ein verkürztes Zungenbändchen die Beweglichkeit der Zunge stark einschränken. Zahn- und Kieferfehlstellungen wie ein offener Biss können hingegen dazu führen, dass die Zunge „in die Lücke rutscht“ wodurch sich die Lippen nicht mehr mühelos schließen lassen.
Zuletzt können auch sensorische Ursachen hinter einer schlaffen Mundmotorik bei Kindern stecken. Spürt ein Kind Berührungen, Druck oder die Position der Zunge und Lippen im Mundraum nicht, kann es ihm schwerfallen, die Muskeln gezielt und kraftvoll zu steuern.
Was sind typische Symptome und Anzeichen von Störungen der Mundmotorik?
Im Alltag können sich myofunktionelle Störungen auf unterschiedliche Weise zeigen. So steht der Mund in Ruhephasen meistens offen und es wird vermehrt durch den Mund statt durch die Nase geatmet. Außerdem kann es zu falschen Schluckmustern kommen, wenn die Zunge beim Schlucken nach vorne gegen die Zähne oder dazwischen gepresst wird. Daneben können folgende Anzeichen auftreten:
- Artikulationsprobleme: Sprachfehler wie das Lispeln (Sigmatismus) können insbesondere dann auftreten, wenn die Zunge nicht präzise genug gesteuert werden kann.
- Probleme beim Essen: Neben Schwierigkeiten beim Kauen kann es zu häufigem Verschlucken kommen. Zudem können Nahrungsreste in den Wangentaschen verbleiben und Speichel kann unkontrolliert aus dem Mund laufen.
- Schlaffe Gesichtszüge: Die Lippen- und Wangenmuskulatur hat eine verminderte Grundspannung (sie ist hypoton).
Wie kann ich meine Mundmotorik trainieren?
Mundmotorische Übungen lassen sich (zusätzlich zur logopädischen Therapie) auch daheim in den Alltag einbauen. Gemeinsam mit ihrem Kind können Eltern Kau- und Saugübungen angehen, um die Muskulatur im Mundbereich zu stärken. Diese Übungen lassen sich als regelmäßige Routine täglich wiederholen.
Wichtig ist hierbei, dass Du spielerisch und abwechslungsreich an die Übungen herangehst. Halte die Zeit so lang wie nötig und so kurz wie möglich. Bei Schmerzen sollten die Übungen sofort abgebrochen werden.
Praktische Übungen und spielerische Ideen für den Alltag
Für die Lippen:
- Stifte halten: Einen Stift (oder einen ähnlichen dünnen Stab) mit den Lippen umschließen und durch festes Zusammendrücken halten. Eine gute Ergänzung ist unser ARK Kau- und Beißaufsatz für Stifte „Blume“, der sich am Stift anbringen lässt, um das Kauen und Beißen zu trainieren.
- Lippenwandern: Die Lippen fest zusammenpressen und langsam von einer Seite zur anderen bewegen.
- Grimassen schneiden: Ein „Fischgesicht“ oder einen „Kussmund“ formen und die Position für einige Sekunden halten.
Für die Zunge:
- Zunge zeigen: Die Zunge weit herausstrecken und für einige Sekunden halten, um die allgemeine Beweglichkeit zu unterstützen.
- Kompass-Übung: Die Zunge abwechselnd in Richtung der Mundwinkel sowie nach oben (zur Nase) und nach unten (zum Kinn) bewegen.
Für das Zungentraining bietet sich der ARK oro-Navigator™ an. Dieser ermöglicht eine Förderung der seitlichen Zungenbewegung.
Puste- und Saugspiele für die Lippenkraft und Atemkontrolle
- Watteball-Fußball: Baue auf dem Wohn- oder Esszimmertisch ein kleines Tor auf (beispielsweise aus zwei Bechern). Nun soll Dein Kind versuchen, einen Watteball mit einem Strohhalm (oder nur mit dem Mund) ins Tor zu pusten.
- Der Papier-Kran: Schneide kleine Papierschnipsel aus und verteile diese auf dem Tisch. Das Kind nutzt nun einen Strohhalm, um die Schnipsel anzusaugen. Diese werden mit der Saugkraft festgehalten und in eine Schüssel transportiert.
- Seifenblasen-Zauber: Seifenblasen zu pusten erfordert viel Feingefühl. Schließlich wollen wir Blasen formen, ohne diese zum Platzen zu bringen. Dein Kind soll bei dieser Übung versuchen, abwechselnd eine große Blase ganz langsam zu pusten oder möglichst viele kleine auf einmal.
Mit dem ARK proButton™ 2er-Set lassen sich Lippenschluss und Lippenstärke auf unterhaltsame Weise trainieren. Damit kannst Du Dein Kind optimal beim Erlernen grundsätzlicher Fähigkeiten unterstützen.
Schleck- und Schmeckspiele für die Zungenbeweglichkeit
- Das Marmeladen-Bärtchen: Tupfe etwas Marmelade, Honig oder Joghurt auf die Oberlippe oder die Mundwinkel Deines Kindes. Die Aufgabe besteht nun darin, diese mit der Zunge abzuschlecken, ohne die Hände zur Hilfe zu nehmen.
- Zungen-Gewichtheber: Lege Deinem Kind ein Gummibärchen auf die Zungenspitze. Ziel ist es nun, dass das Kind die Zunge herausstreckt, ohne dass die Belohnung herabfällt.
Kiefer- und Wangenspiele für die Tiefenmuskulatur
- Das Riesen-Kaugummi: Bei diesem Spiel soll sich das Kind vorstellen, ein riesiges, unsichtbares Kaugummi zu kauen. Ziel sind hierbei große und übertriebene Kaubewegungen. Das kann die Muskulatur lockern und zugleich stärken.
- Hamsterbacken: Die Wangen sollen bei dieser Übung dick mit Luft aufgeblasen werden. Wie eine Kugel soll die Luft nun von der linken zur rechten Wange geschoben werden. Die Luft sollte hierbei nicht entweichen.
Fazit: Was sind mundmotorische Übungen?
Als effektive Mittel zur gezielten Förderung der Mundmotorik in der Logopädie und im familiären Alltag können mundmotorische Übungen bei der Korrektur von Schluckstörungen, Mundatmung und Artikulationsproblemen unterstützen. Schon kleine spielerische Übungen können eine große Wirkung entfalten. Solltest Du bei Deinem Kind Anzeichen einer myofunktionellen Störung bemerken, ist eine frühzeitige logopädische Diagnostik der sicherste Schritt, um die Entwicklung optimal zu begleiten. Finde bei uns weitere Informationen rund um praktische Logopädie-Produkte für Sprachtherapie, Schlucktraining und Mundmotorik.
Dieser Artikel dient der fachlichen Weiterbildung von Handtherapeuten und Therapeuten im Bereich der Handrehabilitation. Er ersetzt keine individuelle klinische Einschätzung oder ärztliche Empfehlung. Alle Quellenangaben wurden nach bestem Wissen recherchiert (Stand: August 2026).

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