Adhäsion
Definition
In der Handtherapie bezeichnet Adhäsion eine pathologische Verklebung zwischen eigentlich gegeneinander verschieblichen Gewebeschichten (z. B. Haut–Subkutis–Faszie oder Sehne–Sehnenscheide–Umgebung). Diese Verklebungen entstehen meist im Rahmen von Wundheilung und Narbenbildung und führen zu verminderter Gewebegleitfähigkeit und funktionellen Einschränkungen.
Klinische Relevanz in der Handtherapie
Adhäsionen sind besonders handfunktionell relevant, weil die Hand auf fein dosierte Beweglichkeit und reibungsarmes Gleiten (z. B. der Beuge-/Strecksehnen) angewiesen ist. Typische Folgen sind:
- Aktive Bewegungsdefizite (häufig stärker als passive Einschränkungen)
- Stiffness, eingeschränkte Sehnenexkursion, „Zuggefühl“
- Funktionsverlust bei Greifen, Pinzettengriff, Feinmotorik
- Bei Sehnen: erhöhtes Risiko, dass trotz stabiler Naht ROM und Kraft nicht zurückkehren, weil die Sehne „festklebt“.
Entstehung / Pathophysiologie (kurz)
Adhäsionen sind im Kern das Resultat von Narbengewebe und kollagener Matrix, die während Heilung „Brücken“ zwischen Strukturen bildet. Bei Beugesehnenverletzungen gelten u. a. Gewebetrauma, Manipulation, Gap, Nahttechnik sowie Immobilisationsdauer und Reha-Protokoll als Einflussfaktoren auf die Adhäsionsbildung.
Wichtig für die Therapieplanung: In der klinischen Realität ist es oft ein Kontinuum von milden (durch Reha beeinflussbaren) bis ausgeprägten Adhäsionen (ggf. operativ).
Typische Befunde / Assessment-Hinweise (handtherapeutisch)
- Diskrepanz aktiv vs. passiv: Passiver Bewegungsumfang deutlich besser als aktiv (klassischer Hinweis auf Sehnenadhäsion statt Gelenkkontraktur).
- Gleit-/Verschiebetests am Narbenareal (Haut/Unterhaut/Faszie), spürbare „Fixierung“ in bestimmte Richtungen
- Funktions- und ROM-Messungen (z. B. TAM, goniometrisch) und patientenberichtete Einschränkungen.
Therapeutische Implikationen (Evidenz-orientierte Einordnung)
Handtherapeutische Maßnahmen zielen primär darauf, Gleitfähigkeit zu erhalten/zu verbessern, ohne Heilgewebe zu überlasten.
1) Prävention früh im Verlauf (sofern ärztlich freigegeben)
- Dosierte, frühfunktionelle Mobilisation wird in der Literatur als wesentlicher Faktor diskutiert, weil längere Immobilisation Adhäsionsrisiken erhöhen kann.
2) Behandlung von Narben-/Weichteiladhäsionen
- Manuelle Narbentechniken (z. B. Mobilisation/Manipulation) werden breit eingesetzt; die Gesamtevidenz für nicht-invasive Narbeninterventionen ist jedoch heterogen und weist Lücken auf.
- Narbenmassage ist in der Handtherapie verbreitet, aber die Evidenz für lineare postoperative Narben ist (je nach Fragestellung) begrenzt bzw. nicht eindeutig.
3) Sehnenadhäsion nach Beugesehnennaht
- Bei milden Adhäsionen kann Rehabilitation häufig Verbesserungen erzielen.
- Wenn Plateau erreicht ist und passiv ≫ aktiv bleibt, wird in Übersichtsarbeiten/klinischen Leitartikeln die Überlegung zur Tenolyse (operative Adhäsiolyse) beschrieben – dann ist eine spezialisierte postoperative Handtherapie zentral für das Ergebnis.
